Ein Multiband-Dipol klingt erst einmal nach einer ziemlich komfortablen Lösung: aufhängen, Koax anschließen und mehrere Kurzwellenbänder mit einer einzigen Antenne nutzen. In meinem Garten war der Aufbau allerdings alles andere als „einfach geradeaus“. Gerade als Inverted-V musste ich einiges ausprobieren, weil der verfügbare Platz sehr begrenzt ist.
Mein Kelemen Multiband-Dipol hat zwei Schenkel mit jeweils ungefähr 11 Metern Länge. Der Speisepunkt mit Balun sitzt an meinem rund 13 Meter hohen Mast. Auf dem Papier ist das ein schöner Aufbau. In einem kleinen Garten entscheidet am Ende aber nicht nur die Theorie, sondern ganz praktisch: Wo bekomme ich die beiden Schenkel überhaupt hin?
Die eigentliche Herausforderung: wenig Platz
Mein Ziel war ein möglichst sauberer Inverted-V-Aufbau mit ungefähr 90 Grad Öffnungswinkel. Genau das war bei mir aber schwierig. Mein Garten ist schlicht zu klein, um beide 11-Meter-Schenkel so zu führen, wie ich es mir theoretisch gewünscht hätte.
Auch eine wirklich symmetrische Führung beider Schenkel war nicht möglich. Ich musste die Drähte so durch den vorhandenen Platz führen, wie es Grundstück, Bäume, Gebäude und Befestigungspunkte zugelassen haben. Das ist natürlich nicht optimal – aber genau das ist ja oft die Realität bei einer Amateurfunk-Antenne zu Hause.
Und genau hier zeigt sich auch, warum man sich nicht ausschließlich auf die nominellen Maße einer Antenne verlassen sollte. Höhe, Winkel, Umgebung und die Führung der Schenkel verändern das Verhalten der Antenne sichtbar.
10, 15, 20 und 40 Meter: grundsätzlich gut nutzbar
Auf 10, 15, 20 und 40 Metern funktioniert die Antenne bei mir grundsätzlich ordentlich. Die Resonanzen liegen nicht überall perfekt dort, wo ich sie gern hätte, aber die Bänder lassen sich mit dem internen beziehungsweise externen Tuner zumindest sauber anpassen und nutzen.
Das SWR liegt bei meinem aktuellen Aufbau je nach Band ungefähr zwischen 1:2,0 und 1:2,8. Damit kann ich arbeiten, zufrieden bin ich damit aber noch nicht. Für mich ist das eher der aktuelle Zwischenstand als das endgültige Ergebnis.
Trotz dieser noch nicht perfekten Werte funktioniert die Antenne bei mir wirklich gut. Sie ist also keineswegs nur ein Abstimmprojekt auf dem NanoVNA: Ich habe damit bereits einige schöne DX-Verbindungen über den großen Teich gemacht. Für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, dass ein perfektes SWR von 1:1,0 nicht automatisch das Maß aller Dinge ist. Entscheidend ist am Ende, was die Antenne im echten Funkbetrieb macht.
80 Meter war bei mir die eigentliche Baustelle
Das 80-Meter-Band war deutlich anspruchsvoller. Durch meinen nicht optimalen Aufbau lag die Resonanz nicht dort, wo ich sie für meinen Betrieb haben wollte. Mit dem Tuner allein war das nicht mehr sinnvoll zu lösen.
Bei meinem Aufbau bedeutet das: Die Antenne muss am äußeren Ende für 80 Meter noch entsprechend elektrisch gekürzt und abgestimmt werden. Dabei schneide ich den Draht ausdrücklich nicht ab. Stattdessen lege ich das überschüssige Drahtende zurück beziehungsweise um und fixiere es zum Beispiel mit Kabelbindern. Dadurch wird die wirksame Länge für die Antenne kürzer, das Material bleibt aber vollständig erhalten. So kann ich mich in kleinen Schritten an die gewünschte Resonanz herantasten und eine Änderung jederzeit wieder rückgängig machen.
Ohne NanoVNA würde ich das nicht machen
Für die Abstimmung ist ein NanoVNA oder ein vergleichbarer Antennen-Analyzer für mich praktisch Pflicht. Nur auf die SWR-Anzeige am Funkgerät zu schauen, sagt mir zwar, ob die Antenne an einer bestimmten Stelle gut oder schlecht aussieht – aber nicht komfortabel, wo die tatsächliche Resonanz gerade liegt.
Mit dem VNA sehe ich dagegen sofort den Verlauf über einen größeren Frequenzbereich. Gerade bei meinem Aufbau war das wichtig, weil sich die Resonanz durch Höhe, Winkel und die nicht ideal geführten Schenkel merklich verschoben hatte. Erst dadurch konnte ich sinnvoll entscheiden, an welcher Stelle ich überhaupt optimieren muss.
Die Sperrkreise bieten noch Optimierungspotenzial
Auch auf den bereits nutzbaren Bändern möchte ich das SWR noch etwas verbessern. Bei diesem Kelemen-Dipol lassen sich die Sperrkreise vorsichtig beeinflussen. In der Anleitung wird beschrieben, dass man sie mit der Hand etwas oval formen kann, um die Abstimmung fein zu verändern.
Das ist für mich ganz klar Feinarbeit: nur vorsichtig verändern, danach wieder messen und beobachten, was tatsächlich passiert. Ich würde hier niemals mehrere Dinge gleichzeitig ändern. Sonst weiß ich hinterher nicht mehr, welche Änderung welchen Effekt hatte.
Was ich beim Mast noch unbedingt verbessern möchte
Eine Sache würde ich bei so einem Aufbau heute direkt anders planen: den Balun beziehungsweise Speisepunkt wieder herunterholen zu können, ohne den kompletten Mast abbauen zu müssen.
Wenn man eine Antenne abstimmt, möchte man an den Draht, an die Anschlüsse und teilweise auch an die Sperrkreise herankommen. Bei einem 13-Meter-Mast jedes Mal alles komplett herunterzunehmen, macht aus einer kleinen Änderung schnell eine größere Aktion.
Auf meiner Liste steht deshalb noch eine einfache Vorrichtung nach dem Prinzip eines Fahnenmasts: Der Balun soll oben sicher gehalten werden, sich bei Bedarf aber über eine Leine oder Umlenkung kontrolliert nach unten holen lassen. Das würde die weitere Abstimmung enorm vereinfachen.
Was ich aus dem Aufbau gelernt habe
- Die angegebenen Maße sind ein Ausgangspunkt, kein garantiertes Endergebnis. Die reale Umgebung verändert die Resonanz.
- Ein NanoVNA spart unglaublich viel Zeit. Ich sehe sofort, wohin sich die Resonanz verschoben hat.
- Kleine Änderungen machen. Elektrisch kürzen, biegen oder umhängen – immer nur einen Schritt und danach neu messen.
- Der Mast sollte wartungsfreundlich sein. Ein herunterholbarer Speisepunkt ist bei späterer Abstimmung Gold wert.
- Auch ein nicht perfekter Aufbau kann sehr gut funktionieren. 10, 15, 20 und 40 Meter sind bei mir bereits nutzbar, obwohl der Garten keine Idealgeometrie zulässt.
Mein aktuelles Fazit
Der Kelemen Multiband-Dipol ist für mich trotz der bisherigen Abstimmarbeit eine spannende Antenne. Gerade die Möglichkeit, mehrere Bänder mit einem einzigen Drahtsystem abzudecken, ist in einem kleinen Garten sehr attraktiv. Gleichzeitig hat mir der Aufbau deutlich gezeigt, dass eine Multiband-Antenne nicht automatisch bedeutet, dass nach dem ersten Hochziehen alles perfekt passt.
Im Moment kann ich 10, 15, 20 und 40 Meter bereits gut nutzen – und die Antenne hat mir auch schon einige schöne DX-QSOs über den großen Teich ermöglicht. Auf 80 Metern steht noch die finale Abstimmung durch vorsichtiges elektrisches Kürzen an, also durch Zurücklegen und Fixieren des Drahtendes statt durch Abschneiden. Auch das SWR der anderen Bänder möchte ich weiter optimieren. Der nächste größere Umbau wird aber wahrscheinlich zuerst die Mastmechanik: Wenn ich den Balun wie eine Fahne herunterholen kann, wird jede weitere Abstimmrunde deutlich entspannter.
Und genau das ist für mich am Ende auch ein Teil des Amateurfunks: aufbauen, messen, ausprobieren, ändern – und mit jedem Schritt die eigene Station ein Stück besser verstehen.

