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JTTY: Neue digitale Betriebsart im Amateurfunk – zurück zum echten QSO?

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DA6IT Titelbild: JTTY und digitale Signale im Amateurfunk.

FT8 ist aus dem Amateurfunk kaum noch wegzudenken. Ein paar Klicks, etwas Geduld – und plötzlich steht das nächste DX-QSO im Log. Technisch ist das faszinierend. Aber mal ehrlich: Manchmal möchte ich eben nicht nur Rufzeichen, Rapport und „73“ austauschen, sondern mich auch einfach mal ganz normal mit der Gegenstation unterhalten.

Genau deshalb bin ich bei JTTY hängen geblieben. Die neue digitale Betriebsart aus dem Umfeld des WSJT-X-Entwicklerteams um Joe Taylor (K1JT) verspricht die direkte Tastaturkommunikation von RTTY mit moderner digitaler Signalverarbeitung zu verbinden. Das klingt spannend – und es hat mich neugierig gemacht.

Vorweg aber ganz bewusst: Das hier ist meine erste Einordnung, noch kein Erfahrungsbericht. Ich habe JTTY bislang nicht selbst auf dem Band getestet. Den Praxistest hole ich nach. Erst dann kann ich sagen, ob die Bedienung wirklich Spaß macht und wie sich der neue Modus gegenüber meinen bisherigen Favoriten schlägt.

Was ist JTTY überhaupt?

Wer RTTY kennt, kennt die Grundidee: Das Funkgerät ist mit dem Computer verbunden und auf dem Bildschirm laufen die empfangenen Zeichen ein. Man tippt die eigene Antwort, sendet und führt ein QSO. Ohne vorgeschriebene 15-Sekunden-Raster und ohne starre Abfolge von Standardnachrichten.

Genau dieses „Keyboard-to-Keyboard“-Gefühl möchte JTTY mit neuer Technik verbinden. JTTY kann frei formulierte Texte übertragen, kennt aber auch besonders kompakte Nachrichten für Contest-QSOs. Es ist also sowohl für das gemütliche Gespräch als auch für schnelle, standardisierte Contest-Austausche gedacht.

Im Unterschied zu klassischem RTTY gehört eine Fehlerkorrektur zum Protokoll. Sie soll dabei helfen, selbst bei schwächeren Signalen noch sauber verständliche Texte zu empfangen. Das ist ein Entwicklungsziel und kein von mir gemessener Vorsprung unter realen Bedingungen.

Warum eigentlich noch ein weiterer Digitalmodus?

Diese Frage drängt sich auf. Wir haben längst FT8 und FT4, RTTY, PSK31, JS8Call, VarAC und weitere Möglichkeiten. Und ehrlich gesagt muss nicht jeder neue Modus gleich der nächste große Standard werden.

FT8 und FT4 sind enorm stark, wenn ich kurze QSOs effizient abwickeln oder mit schwachen Signalen arbeiten möchte. Das feste Zeitraster und die stark strukturierten Nachrichten sind keine Schwäche aus Versehen, sondern Teil des Konzepts. Für ein längeres Gespräch sind sie aber nur sehr eingeschränkt geeignet.

RTTY und PSK31 bringen eher das klassische Tastatur-QSO mit: Ich schreibe, die andere Station liest mit und antwortet. Das fühlt sich mehr nach einer Unterhaltung an. Die Übertragungsverfahren haben dafür ihre eigenen Grenzen.

JS8Call und VarAC zeigen schon heute, dass moderner Digitalfunk und freiere Kommunikation zusammenpassen. Deshalb würde ich JTTY nicht als Erfinder dieser Idee verkaufen. Spannend ist vielmehr die konkrete Mischung aus RTTY-ähnlicher Bedienung, kurzen Frames und moderner Signalverarbeitung.

Ein Blick unter die Haube: So funktioniert JTTY

Ein bisschen Technik muss natürlich sein. 😉 JTTY verwendet 4-GFSK – eine geglättete Frequenzumtastung mit vier verschiedenen Tönen. Beim klassischen RTTY sind es normalerweise zwei Töne. Die zusätzlichen Tonzustände sind aber nur ein Teil der Geschichte: JTTY arbeitet mit strukturierten Datenframes und integrierter Fehlerkorrektur.

EigenschaftJTTY
Modulation4-GFSK
Symbolrate31,25 Baud
Bandbreiteca. 125 Hz
Frame-Dauer1,888 Sekunden
FehlerkorrekturFaltungscode, Rate 1/2
Feste SendeintervalleNein
TexteFreier Text und optimierte Contest-Formate

Diese Werte stammen aus der offiziellen WSJT-X-Dokumentation und beschreiben das technische Verfahren, nicht dessen gefühlte Geschwindigkeit im Alltag. Eine Aussendung kann aus mehreren Frames bestehen und muss nicht auf eine bestimmte Sekunde der UTC-Uhr warten.

Bei frei gewähltem Text werden ungefähr 30 Wörter pro Minute genannt, für besonders kompakte Contest-Meldungen können es ungefähr 60 Wörter pro Minute sein. Wie flüssig sich das im echten QSO anfühlt, möchte ich ausdrücklich noch selbst herausfinden.

Wie sieht ein typisches JTTY-QSO aus?

Vom Bediengefühl her soll es näher an RTTY sein als an FT8: Auf CQ antworten, Rufzeichen austauschen, etwas über das Wetter, den Standort oder die Technik schreiben – und zum Schluss ordentlich mit 73 verabschieden. Die Gegenstation muss dafür nicht auf den nächsten festgelegten Zeitschlitz warten.

Gleichzeitig gibt es Makros und komprimierte Formate für den Contestbetrieb. Genau da bin ich neugierig: Kann JTTY sowohl zügige QSOs als auch entspannte Tastatur-Unterhaltungen, ohne dass sich eines von beidem umständlich anfühlt?

WSJT-X, Beta-Status und erste Aktivität

JTTY ist inzwischen im offiziellen WSJT-X 3.3.0-Beta-Zweig angekommen. Stand dieses Beitrags vom 15. Oktober 2026 ist 3.3.0-beta2 die jüngste dort veröffentlichte Vorabversion. Das Entwicklerteam bittet ausdrücklich um Rückmeldungen und macht auch klar: Eine Beta kann noch Ecken und Kanten haben.

Interessant finde ich, dass Joe Taylor bereits von täglichen JTTY-Verbindungen berichtet: besonders auf 14,090 MHz, aber auch über QO-100 und sogar auf 23 cm EME. Es handelt sich also nicht mehr nur um eine theoretische Idee auf dem Papier. Trotzdem sagt die Zahl der frühen QSOs noch nichts darüber aus, wie verbreitet JTTY dauerhaft sein wird.

Die aktuellen Builds liegen auf der offiziellen WSJT-X-Release-Seite. Die Ankündigung von Joe Taylor liefert den Hintergrund zur Beta-Reihe.

Auf welchen Frequenzen findet man JTTY?

Ein neuer Modus kann technisch noch so spannend sein – wenn sich niemand auf dem Band findet, bleibt der Wasserfall leer. Deshalb hat das WSJT-X-Team um Joe Taylor erste JTTY-Trefffrequenzen vorgeschlagen. Der wichtigste gemeinsame Anlaufpunkt ist derzeit 14,090 MHz auf 20 Metern. Aber auch für weitere KW-Bänder und sogar für 6 m und 2 m gibt es Vorschläge.

BandJTTY-Dial-Frequenz (USB)
160 m1,838 MHz
80 m3,575 MHz
40 m7,090 MHz
30 m10,140 MHz
20 m14,090 MHz – erster Treffpunkt
17 m18,100 MHz
15 m21,090 MHz
12 m24,920 MHz
10 m28,090 MHz
6 m50,160 MHz
2 m144,160 MHz

Wichtig: Das sind ausdrücklich vorläufige Vorschläge des Entwicklerteams, keine exklusiven JTTY-Zuweisungen. Die Trefffrequenzen können sich mit wachsender Nutzung noch verändern. Natürlich gelten immer die jeweiligen Bandpläne und nationalen Regeln.

Alle Werte sind USB-/USB-DATA-Dial-Frequenzen. Das eigentliche JTTY-Signal liegt durch den im Wasserfall gewählten Audio-Offset oberhalb der eingestellten Frequenz. Und weil JTTY keine festen Sendezeitschlitze kennt, sollte man vor dem CQ einen freien Platz im Wasserfall suchen.

Die Liste stammt direkt aus der WSJT-X-Ankündigung vom September 2026. Ein praktischer Tipp aus dieser Mitteilung: Viele Einträge lassen sich in Settings → Frequencies über Reset laden. Aber Achtung: Dabei können selbst eingetragene Frequenzen verloren gehen. Wer eine eigene Liste pflegt, ergänzt die Werte besser einzeln.

Und was ist mit dem Logbuch?

Auch beim Logging bewegt sich etwas: Seit ADIF 3.1.8 wird JTTY offiziell als Submode von MFSK geführt. Die Zuordnung ist damit MODE=MFSK und SUBMODE=JTTY. Das ist eine sinnvolle Basis für Logbuch-Importe und -Exporte. Ob eine konkrete Kombination aus WSJT-X, Logging-Bridge und beispielsweise Wavelog schon fehlerfrei funktioniert, muss man trotzdem separat testen.

Nachzulesen ist das direkt in der aktuellen ADIF-Spezifikation.

Ist JTTY der nächste große Hit?

Kann sein. Muss aber nicht. Eine technisch gelungene Betriebsart braucht aktive Gegenstationen, brauchbare Software und vor allem Funkamateure, die dauerhaft Lust darauf haben. FT8 hat eine große Community; JTTY muss sich diese erst aufbauen.

Mich reizt an JTTY weniger die Frage, ob ich damit noch zwei oder drei Dezibel mehr heraushole. Mich interessiert, ob digitaler Funk damit wieder ein bisschen mehr nach Gespräch und weniger nach automatisiertem Rapport-Austausch klingt – ohne die technischen Vorteile moderner Modems aufzugeben.

Und genau das werde ich ausprobieren. Ich werde JTTY in Ruhe auf meinem eigenen Setup testen, ein paar echte QSOs versuchen und schauen, wie sich die Bedienung anfühlt. Wie schnell kann man tippen? Wie gut klappt der Empfang? Was funktioniert super, was nervt – und vor allem: Macht es mir Spaß?

Stay tuned! Sobald ich echte Erfahrungen gesammelt habe, gibt es hier ein Update mit praxisnahem Feedback. Bis dahin ist das meine neugierige erste Einordnung – ohne Marketing-Versprechen und ohne so zu tun, als hätte ich schon stundenlang damit gefunkt.

73 de DA6IT