Eine einfache Antenne für 2m und 70cm muss weder teuer noch kompliziert sein. Genau deshalb finde ich die T2LT aus Koaxialkabel so spannend: Mit einigen Metern Koax, einem kleinen Kunststoffrohr, etwas Schrumpfschlauch und einem passenden Stecker lässt sich eine vertikal aufgehängte Antenne bauen, die sich für den portablen Betrieb genauso anbietet wie als unkomplizierte Zusatzantenne am heimischen Standort.
Für diese Rundstrahlantenne Bauanleitung schaue ich mir zwei Varianten an. Die erste wird aus sehr dünnem RG-174 gebaut und ist besonders leicht und kompakt. Die zweite verwendet RG58, wird dadurch mechanisch kräftiger und eignet sich besser, wenn die Antenne etwas robuster werden soll. Beide Varianten folgen demselben Grundgedanken, unterscheiden sich aber bei den Abmessungen der Mantelwellensperre und beim praktischen Einsatz.
Was ist eine T2LT überhaupt?
T2LT steht für Tuned Transmission Line Trap. Vereinfacht gesagt wird ein Teil des Koaxialkabels selbst zum Antennensystem. Am oberen Ende bildet der freigelegte Innenleiter einen Teil des Strahlers, darunter bleibt ein definierter Abschnitt des Koaxialkabels erhalten. Anschließend wird das Koax zu einer Spule gewickelt. Diese Spule wirkt als Mantelwellensperre und soll den aktiven Antennenbereich von der weiterlaufenden Speiseleitung entkoppeln.
Vertikal aufgehängt ergibt sich damit eine für FM-, Relais- und viele andere VHF/UHF-Anwendungen praktische Rundstrahlcharakteristik in der Horizontalebene. Genau das macht die Konstruktion für mich so attraktiv: Kein komplizierter mechanischer Aufbau, kein schwerer Balun und keine aufwendige Halterung – ein großer Teil der Antenne entsteht direkt aus dem Koax.
Variante 1: die leichte T2LT aus RG-174
Wenn ich eine kleine Antenne für den Rucksack, einen GFK-Mast oder den spontanen Portabelbetrieb bauen möchte, finde ich RG-174 besonders interessant. Das Kabel ist dünn, leicht und lässt sich sehr klein zusammenrollen. Für diesen Aufbau haben sich bei Funkamateuren drei Maße als guter Ausgangspunkt etabliert: 43,5 cm Innenleiter, 45 cm Koax und 9 Windungen auf ungefähr 25 mm Durchmesser.
Material für die RG-174-Version
- RG-174 Koaxialkabel
- etwa 5 cm Kunststoffrohr mit ungefähr 25 mm Außendurchmesser
- Schrumpfschlauch für Spule und oberen Antennenteil
- dünne Schnur für die Aufhängung und Zugentlastung
- BNC-Stecker oder ein anderer zum eigenen Funkgerät passender Anschluss
- Seitenschneider, Abisolierwerkzeug, Maßband und Bohrer
- je nach Stecker Lötkolben oder Crimpzange
- idealerweise ein NanoVNA oder ein anderer Antennen-Analyzer
Schritt 1: 43,5 cm Innenleiter herstellen
Ich beginne am späteren oberen Ende der Antenne und messe 43,5 cm ab. Auf diesem Abschnitt entferne ich vorsichtig den Außenmantel und das Schirmgeflecht. Die Isolierung des Innenleiters bleibt bestehen. Am Ende habe ich also 43,5 cm isolierten Innenleiter als oberen Antennenschenkel.
Gerade bei RG-174 lohnt sich etwas Geduld. Das Kabel ist dünn und der Innenleiter lässt sich beim Abisolieren schnell beschädigen. Lieber arbeite ich langsam und sauber, statt später wegen einer Kerbe im Leiter wieder von vorne anfangen zu müssen.
Schritt 2: weitere 45 cm Koax abmessen
Von der Stelle, an der der Schirm endet, messe ich weitere 45 cm ab. Dieser Bereich bleibt als vollständiges Koax erhalten. Von der Antennenspitze bis zum Beginn der Mantelwellensperre sind es damit insgesamt 88,5 cm.
Aufhängung
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43,5 cm
Innenleiter
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45 cm RG-174
│
9 Windungen
Ø ca. 25 mm
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Zuleitung
│
Funkgerät
Schritt 3: neun Windungen auf 25 mm
Direkt nach den 88,5 cm beginnt die Mantelwellensperre. Als Wickelkörper nehme ich ungefähr 5 cm Kunststoffrohr mit rund 25 mm Durchmesser. Das RG-174 wickele ich neunmal eng und sauber um das Rohr. Die Windungen sollten nebeneinanderliegen und sich nicht überkreuzen.
Praktisch finde ich zwei kleine Kabeldurchführungen im Rohr: durch das erste Loch hinein, neun Windungen wickeln und durch das zweite Loch wieder heraus. Den Abstand des zweiten Lochs würde ich nicht blind festlegen, sondern nach einer Probe-Wicklung markieren. RG-174 ist je nach Hersteller nicht immer exakt gleich dick.
Schritt 4: Aufhängung und Zugentlastung
Eine portable Antenne möchte ich nicht am empfindlichen Innenleiter aufhängen. Deshalb befestige ich eine dünne Schnur am Spulenkörper und führe sie nach oben. Daraus entsteht am oberen Ende eine kleine Schlaufe. Das Gewicht liegt damit möglichst auf der Schnur und nicht auf dem Koax.
Die Spule sichere ich anschließend mit Schrumpfschlauch. Auch den oberen Antennenteil kann ich gemeinsam mit der Schnur in dünnen Schrumpfschlauch packen. So wird aus dem eher filigranen RG-174 eine erstaunlich praktische Antenne für Rucksack, GFK-Mast oder Baum.
Variante 2: die robustere T2LT aus RG58
Wenn Gewicht und Packmaß weniger wichtig sind, finde ich die zweite Variante spannend. Mit RG58 wird die Antenne mechanisch deutlich kräftiger und die Speiseleitung besitzt geringere Verluste als das sehr dünne RG-174. Gerade auf 70cm kann dieser Punkt interessant werden.
Erfahrungen von Funkamateuren zeigen für diesen Aufbau einen guten Startpunkt von ungefähr zweimal 50 cm Antennenbereich bis zur Spule sowie neun Windungen RG58 auf etwa 20 mm Durchmesser. Anders als bei der sehr klar dimensionierten RG-174-Version würde ich diese Werte aber bewusst als Ausgangspunkt verstehen und anschließend messen und abstimmen.
Material für die RG58-Version
- RG58 oder RG58 C/U
- Kunststoff-Installationsrohr mit ungefähr 20 mm Durchmesser
- Schrumpfschlauch oder anderes Befestigungsmaterial
- passender Koaxstecker
- optional ein größeres Schutzrohr für einen wettergeschützten Aufbau
- Maßband, Abisolierwerkzeug und Seitenschneider
- NanoVNA oder ein anderer Antennen-Analyzer
Schritt 1: mit ungefähr 2 × 50 cm beginnen
Für die RG58-Version würde ich mit ungefähr 50 cm oberem und 50 cm unterem Antennenbereich beginnen. Ich lasse beim ersten Aufbau lieber etwas Reserve stehen. Kürzen kann ich später immer noch – wieder ankleben wird schwieriger.
ca. 50 cm
oberer Teil
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ca. 50 cm
unterer Teil
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9 Windungen RG58
Ø ca. 20 mm
│
Zuleitung
Schritt 2: neun Windungen auf 20 mm
Die Mantelwellensperre besteht hier ebenfalls aus neun Windungen, allerdings auf einem kleineren Wickelkörper mit ungefähr 20 mm Durchmesser. Durch das dickere RG58 entsteht eine deutlich kräftigere Spule. Auch hier achte ich darauf, dass die Windungen sauber nebeneinanderliegen und mechanisch fest sitzen.
Schritt 3: optional ins Schutzrohr
Für einen stationäreren oder länger draußen bleibenden Aufbau gefällt mir die Idee, die komplette RG58-T2LT in ein Kunststoffrohr einzubauen. Erfahrungen anderer Funkamateure zeigen, dass dieser geschützte Aufbau vor allem bei Regen und Feuchtigkeit Vorteile bringen kann. Außen sieht man dann praktisch nur noch einen schlichten vertikalen Kunststoffstab.
Bei einem dauerhaften Außenaufbau würde ich natürlich trotzdem alle Öffnungen und Kabeleinführungen sauber gegen Wasser schützen. Eine wasserdichte Konstruktion entsteht nicht automatisch nur dadurch, dass ich die Antenne in ein Rohr stecke.
2m und 70cm mit einer Antenne – geht das wirklich?
Genau hier würde ich nicht zu viel versprechen. Die Abmessungen orientieren sich deutlich am 2m-Band, gleichzeitig berichten Funkamateure von brauchbaren Ergebnissen auf 70cm über eine höhere Resonanz der Konstruktion. Das kann funktionieren – ich würde die Dualband-Eigenschaft aber nicht blind voraussetzen.
Für mich ist deshalb der NanoVNA wichtiger als jede Tabelle. Nach dem Bau würde ich mindestens die Bereiche 144–146 MHz und 430–440 MHz ansehen. Entscheidend sind nicht nur ein einzelner schöner SWR-Wert, sondern auch die tatsächliche Resonanzlage und die Bandbreite.
RG-174 oder RG58 – mein Vergleich
| Eigenschaft | RG-174 | RG58 |
|---|---|---|
| Gewicht | sehr gering | höher |
| Packmaß | sehr klein | größer |
| Flexibilität | sehr hoch | geringer |
| Mechanik | ideal portabel | deutlich robuster |
| Kabelverluste | höher | geringer |
| Spule | 9 Wdg. / ca. 25 mm | 9 Wdg. / ca. 20 mm |
| Startmaß | 43,5 + 45 cm | ca. 50 + 50 cm |
| Typischer Einsatz | Rucksack / Portabel | Portabel / robuster Aufbau |
Für den Rucksack würde ich klar zur RG-174-Version greifen. Sie ist leicht, klein und die Maße sind sehr konkret. Für einen robusteren Mastaufbau oder eine Antenne, die öfter draußen bleibt, finde ich die RG58-Version spannender. Sie ist schwerer, dafür mechanisch angenehmer und bei der Speiseleitung verlustärmer.
Die Aufbauhöhe ist mindestens genauso wichtig
Bei 2m und 70cm ist die Höhe oft wichtiger als das letzte Prozent theoretischer Antenneneffizienz. Ich würde lieber eine einfache T2LT frei und hoch aufhängen als eine vermeintlich perfekte Antenne knapp über dem Boden betreiben. Ein freier Standort, Abstand zu Metall und möglichst wenig direkte Abschattung können einen enormen Unterschied machen.
Für Messungen gilt dasselbe: Die Antenne sollte möglichst so hängen, wie sie später betrieben wird. Zusammengerollt auf der Werkbank gemessen bekomme ich zwar irgendeinen Wert – nur hat der mit dem späteren Aufbau möglicherweise wenig zu tun.
So würde ich mit dem NanoVNA abstimmen
- Antenne vertikal und möglichst frei aufhängen.
- Mit dem NanoVNA zunächst einen größeren Bereich um 2m messen.
- Resonanz und SWR im Bereich 144–146 MHz prüfen.
- Anschließend 430–440 MHz betrachten.
- Nur wenn die Resonanz deutlich falsch liegt, in kleinen Schritten korrigieren.
- Nach jeder Änderung erneut in der späteren Aufbauposition messen.
Gerade bei 70cm machen bereits kleine mechanische Änderungen deutlich mehr aus als auf niedrigeren Frequenzen. Deshalb würde ich nicht direkt mehrere Zentimeter abschneiden. Kleine Schritte sind hier die bessere Strategie.
Mein Fazit zur T2LT-Rundstrahlantenne
Ich mag solche Projekte, weil sie zeigen, wie wenig Material für eine brauchbare Amateurfunkantenne nötig sein kann. Wer eine einfache Rundstrahlantenne Bauanleitung für 2m und 70cm sucht, bekommt mit der T2LT zwei interessante Möglichkeiten: eine extrem leichte RG-174-Version für unterwegs und eine kräftigere RG58-Version für einen robusteren Aufbau.
Die wichtigsten Werte sind schnell gemerkt: RG-174: 43,5 cm + 45 cm + 9 Windungen auf etwa 25 mm. Bei RG58 würde ich mit ungefähr 2 × 50 cm und 9 Windungen auf etwa 20 mm starten und anschließend konsequent messen.
Welche Variante am Ende besser spielt, würde ich nicht aus dem Bauch heraus entscheiden. Der wirklich interessante Test wäre für mich: gleicher Standort, gleiche Höhe, gleiches Funkgerät und beide Antennen direkt nacheinander. Genau dann wird aus einer Bauanleitung ein echter Vergleich.

