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Amateurfunk 2026: Zahlen, Trends und die Frage nach passenden Lizenzklassen

Amateurfunk 2026: Zahlen, Trends und die Frage nach passenden Lizenzklassen

WORUM GEHT’S?

Der Artikel analysiert die aktuelle Zahlenlage des deutschen Amateurfunks, den Aufschwung der neuen Klasse N und den Rückgang der Klasse A. Er diskutiert, ob das bestehende Lizenzsystem den heute vorwiegend betriebsorientierten Interessen neuer Mitglieder gerecht wird und schlägt ein modular aufgebautes Prüfungsmodell als mögliche Lösung vor.

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Die aktuelle Statistik der Bundesnetzagentur zeigt, dass Deutschland mit rund 60.900 lizenzierten Funkamateuren immer noch zu den größten Amateurfunkgemeinschaften Europas gehört. Gleichzeitig entwickelt sich das Lizenzsystem weiter: Die seit 2024 bestehende Klasse N bringt frischen Wind, während die klassische Klasse A weiter schrumpft. Dieser Artikel beleuchtet, was die Zahlen für den Nachwuchs bedeuten, welche Interessen neue Mitglieder mitbringen und ob die bestehenden Lizenzklassen noch zu den heutigen Bedürfnissen passen.

Aktuelle Zahlenlage und Entwicklung seit 2024

Zum Stichtag 14. September 2026 gibt es 60.918 personengebundene Rufzeichen. Davon entfallen 50.471 auf die Expert‑Klasse A, 9.303 auf die Novice‑Klasse E und 1.144 auf die Entry‑Klasse N. Zusätzlich wurden bis Ende 2025 rund 2.912 Klubstationen, 1.435 Relais und 4.786 Ausbildungsrufzeichen zugeteilt, sodass die Gesamtzahl aller zugeteilten Rufzeichen bei 70.238 liegt.

Der Trend ist eindeutig: Während die Klasse N seit ihrer Einführung im Juni 2024 von 293 Rufzeichen (Dezember 2024) auf 1.144 (September 2026) gewachsen ist, verliert die Klasse A im gleichen Zeitraum 1.516 Rufzeichen, hauptsächlich durch altersbedingte Austritte. Klasse E hat im gleichen Zeitraum etwa 450 Rufzeichen hinzugewonnen. Der Gesamtabstand aller lizenzierten Funkamateure sinkt leicht von 61.104 (Dezember 2025) auf 60.918 (September 2026).

Die Prüfungszahlen bestätigen den Aufwärtstrend bei den Einsteigerklassen: 2025 wurden 2.261 Prüfungsanmeldungen verzeichnet, davon bestanden 753 Kandidaten die Klasse N, 706 die Klasse E und 631 die Klasse A. Im Vergleich zu dem Tiefpunkt von 1.000 Prüflingen im Corona‑Jahr 2021 hat sich die Teilnehmerzahl mehr als verdoppelt.

Demografische Rahmenbedingungen

Das durchschnittliche Alter der deutschen Funkamateure liegt bei etwa 60 Jahren, die Hauptaltersgruppe liegt zwischen 50 und 75 Jahren. Der Frauenanteil wird auf 5‑15 % geschätzt. International liegt Deutschland mit rund 61.000 lizenzierten Funkamateuren an vierter Stelle in Europa, hinter dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Italien. Pro 1.400 Einwohner gibt es in Deutschland einen Funkamateur – ein Wert, der im internationalen Vergleich eher moderat ist.

Interessen neuer Mitglieder: Praxis statt Selbstbau?

Mehrere Beobachtungen aus den letzten Jahren deuten darauf hin, dass viele Neueinsteiger primär am unmittelbaren Funkbetrieb interessiert sind. Sie wollen schnell „on the air“ gehen, digitale Betriebsarten wie FT8 nutzen und portable Aktivitäten (z. B. POTA – Parks on the Air) durchführen. Moderne, kommerziell gefertigte Transceiver dominieren die Ausstattung: Geräte wie der Icom IC‑7300, der IC‑7110 oder das Kenwood TM‑D750 werden häufig genannt. Der Fokus liegt auf Betriebstechnik, Logbuchführung und der Nutzung von Relais‑ bzw. Direktverbindungen, nicht auf eigenem Schaltungsdesign.

Gleichzeitig gibt es nach wie vor eine aktive Gruppe, die sich für Schaltungstechnik, Elektronik und den Selbstbau von Funkgeräten begeistert. Diese Tradition ist ein Kernbestandteil des Amateurfunks seit den Anfängen, wird aber von einer wachsenden Zahl von Einsteigern nicht mehr als erster Schritt gesehen. Die Beobachtung, dass der Selbstbau nicht mehr im Vordergrund steht, lässt sich nicht eindeutig quantifizieren, doch die stark steigende Zahl der Klasse‑N‑Rufzeichen, die nur den Betrieb auf 10 m, 2 m und 70 cm erlaubt, spricht für einen praxisorientierten Einstieg.

Klassen N, E und A im Vergleich

Die drei Lizenzklassen unterscheiden sich in Bandbreite, Sendeleistung und technischem Prüfungsumfang:

  • Klasse N (Entry‑Class): Rufzeichen mit Präfix DN9xxx, beschränkt auf 10 m, 2 m und 70 cm. Der Prüfungsinhalt umfasst grundlegende betriebliche Kenntnisse, Vorschriften und ein Basis‑Technik‑Modul.
  • Klasse E (Novice‑Class): Rufzeichen DA6, DO1‑DO9. Zusätzlich zu den N‑Inhalten werden erweiterte Bänder und höhere Sendeleistungen freigeschaltet. Der technische Teil verlangt vertiefte Kenntnisse, jedoch nicht das Niveau der Klasse A.
  • Klasse A (Expert‑Class): Rufzeichen von DA1 bis DM9. Voller Zugang zu allen Amateurfunkbändern und maximalen Leistungen. Der technische Prüfungsanteil ist umfassend und beinhaltet detailliertes Wissen zu Elektronik, Schaltungstechnik, EMV‑Grundlagen und regulatorischen Vorgaben.

Alle Klassen teilen die gleichen Abschnitte zu betrieblichen Kenntnissen und Vorschriften; die Differenz liegt ausschließlich im technischen Teil.

Ist das technische Wissen für alle Lizenzklassen zwingend?

Die zentrale Frage lautet: Muss jeder Funkamateur, der ausschließlich mit einem kommerziell gefertigten Transceiver funken will, das gleiche tiefe Elektronik‑ und Schaltungswissen besitzen wie jemand, der eigene Sender oder Endstufen baut? Die aktuelle Prüfungsstruktur legt nahe, dass die Klasse A‑Prüfung ein hohes technisches Niveau verlangt, während Klasse N und E bewusst niedrigere Hürden setzen.

Einige Argumente sprechen für eine differenziertere Herangehensweise:

  1. Der sichere und verantwortungsvolle Betrieb erfordert Grundkenntnisse zu EMV, Frequenznutzung und Notfallkommunikation – diese sind bereits in allen Klassen enthalten.
  2. Vertieftes Elektronik‑ und Schaltungswissen ist für den Selbstbau, die Fehlersuche an eigenen Geräten und die Weiterentwicklung von Funktechnik unabdingbar, aber nicht zwingend für den reinen Betriebsbetrieb.
  3. Die steigende Zahl von Klasse‑N‑Rufzeichen zeigt, dass niedrigere Einstiegshürden Menschen anziehen, die sonst vielleicht gar nicht zum Amateurfunk finden würden.

Gleichzeitig darf nicht übersehen werden, dass ein fundiertes technisches Verständnis die Basis für die Einhaltung von Sicherheits- und Regulierungsanforderungen bildet. Die Herausforderung besteht also darin, den Unterschied zwischen notwendigem Basiswissen und vertieftem Fachwissen klar zu trennen.

Autorielle Einschätzung

Ich habe zunehmend den Eindruck, dass viele Menschen heute in erster Linie funken möchten. Der Selbstbau kompletter Transceiver steht für viele nicht mehr am Anfang ihres Interesses. Genau deshalb stellt sich für mich die Frage, ob die Klasse A in ihrer heutigen Form für manche Interessenten eine unnötig hohe Hürde darstellt.

Diese Meinung basiert auf den beobachteten Zahlenentwicklungen und den Rückmeldungen aus den DARC‑Foren, darf aber nicht als bewiesene Tatsache dargestellt werden. Sie soll vielmehr als Anstoß für eine Diskussion dienen, ob die Prüfungsinhalte künftig stärker modular aufgebaut werden könnten – etwa ein Basis‑Modul für sicheren Betrieb und ein optionales Fortgeschrittenen‑Modul für Selbstbau und tiefere Elektronik.

Moderne Prüfungsmodelle: Eine mögliche Richtung

Ein modularer Prüfungsansatz könnte folgendermaßen aussehen:

  • Basis‑Modul: Betriebliche Kenntnisse, Vorschriften, Grundlagen der Funktechnik und EMV. Pflicht für alle Lizenzklassen.
  • Erweiterungs‑Modul E: Vertiefte Kenntnisse zu Antennentechnik, digitale Betriebsarten und erweiterte Bänder. Voraussetzung für Klasse E.
  • Fortgeschrittenen‑Modul A: Detailliertes Elektronik‑ und Schaltungstheorie, Bau von Endstufen, Mess- und Fehlersicherheit. Voraussetzung für Klasse A.

Ein solches Modell würde die Einstiegshürden für praxisorientierte Funkamateure senken, ohne die hohen Qualitätsstandards für den Selbstbau zu verwässern. Gleichzeitig bliebe die Möglichkeit erhalten, sich über das Fortgeschrittenen‑Modul zu qualifizieren, wenn das Interesse an Eigenbau wächst.

Auswirkungen auf den Nachwuchs

Wenn das Ziel ist, langfristig mehr aktive Funkamateure zu gewinnen, müssen Ausbildungsangebote und Lizenzwege die unterschiedlichen Interessen berücksichtigen. Die Einführung der Klasse N hat bereits gezeigt, dass ein niedrigerer Einstiegspunkt Menschen anspricht, die sonst vielleicht keinen Zugang zum Amateurfunk finden würden. Durch die Möglichkeit, nachträglich zu höheren Klassen aufzusteigen, bleibt ein Entwicklungspfad erhalten, der sowohl betriebsorientierte als auch technisch ambitionierte Mitglieder abholt.

Ein weiterer Aspekt ist die neue Ausbildungsregelung: Der Ausbildungsbetrieb läuft nun über das Rufzeichen des Ausbilders mit dem Suffix „/T“ oder „/Trainee“ und eine verpflichtende Logbuchführung entfällt. Diese Vereinfachung reduziert administrative Hürden und könnte die Attraktivität von Ausbildungsprogrammen erhöhen.

Fazit und Ausblick

Die Zahlen von 2026 verdeutlichen, dass der deutsche Amateurfunk an einem Wendepunkt steht. Während die klassische Klasse A weiter schrumpft, sorgt die neue Klasse N für frischen Zuwachs. Der Trend zu einem praxisorientierten Einstieg ist erkennbar, und die aktuelle Prüfungsstruktur spiegelt diese Entwicklung bereits wider – wenn auch noch nicht vollständig.

Eine mögliche Weiterentwicklung könnte in einem modularen Prüfungsmodell liegen, das Basis‑ und Fortgeschrittenen‑Wissen klar trennt. Damit würde man den Bedürfnissen von Einsteigern, die sofort funken wollen, gerecht, ohne die hohen technischen Standards für Selbstbauer zu verwässern. Solche Anpassungen könnten langfristig dazu beitragen, den Nachwuchs zu stärken und die Amateurfunkgemeinschaft in Deutschland zukunftsfähig zu machen.

73 & viel Spaß beim Ausprobieren.
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