Der erste CQ-Ruf kann erstaunlich viel Überwindung kosten. Die Prüfung ist bestanden oder vielleicht noch gar nicht geschrieben, der grundsätzliche Ablauf ist bekannt – und trotzdem fühlt es sich völlig anders an, plötzlich selbst ins Mikrofon sprechen zu sollen. Was sage ich zuerst? Wann kommt der Rapport? Muss ich jetzt noch einmal mein Rufzeichen nennen? Und was passiert, wenn ich mitten im Satz einfach nicht mehr weiterweiß?
Genau für diesen Moment habe ich den DA6IT QSO Trainer gebaut. Er soll typische Sprechfunk-QSOs direkt im Browser üben lassen, ohne dass gerade ein Funkpartner verfügbar sein muss. Besonders gedacht ist er für Einsteiger, die vielleicht noch keinen Ortsverband in der Nähe haben, zeitlich nicht zu einem Ausbildungsabend kommen können oder vor dem ersten echten Funkkontakt einfach erst einmal in Ruhe zu Hause ausprobieren möchten, wie sich so ein QSO eigentlich anfühlt.
Kein Skript, das du auswendig lernen musst
Mir war von Anfang an wichtig, dass aus dem Trainer kein Sprachkurs mit fünf vorgegebenen Sätzen wird. Amateurfunk ist schließlich Kommunikation zwischen Menschen. Jeder spricht ein bisschen anders, jeder formuliert anders, manche QSOs sind kurz und sachlich, andere werden zu einem längeren Gespräch. Genau deshalb sollst du im Trainer frei und ungezwungen sprechen.
Du musst keinen Beispieltext 1:1 wiederholen. Ein Versprecher ist okay. Eine kurze Denkpause ist okay. Wenn du etwas anders formulierst als erwartet, soll die Gegenstation damit umgehen können. Der Trainer achtet auf den grundlegenden Ablauf eines QSOs – nicht darauf, ob du einen Mustersatz Wort für Wort aufsagst.
Die wichtigste Regel: Keine Angst. Wir sind Menschen und keine Roboter. Genau deshalb darf ein echtes Funkgespräch jedes Mal ein bisschen anders klingen.
So läuft das erste Training ab
Im aktuellen Einsteiger-Szenario ist der technische Teil bewusst vorbereitet. Das virtuelle Funkgerät steht auf 80m SSB in LSB, die Frequenz ist gesetzt und du kannst dich auf das konzentrieren, worum es zunächst geht: hören, sprechen und den Ablauf kennenlernen.
- Frequenz prüfen: Du fragst, ob die Frequenz in Benutzung ist, wartest kurz und fragst sicherheitshalber noch einmal.
- CQ rufen: Du rufst CQ und nennst dein Rufzeichen. Darauf meldet sich die Gegenstation.
- Rapport austauschen: Du gibst einen Signalrapport und bekommst Informationen zurück.
- Ein bisschen unterhalten: Name, QTH, Funkgerät, Antenne, Modulation, Verständlichkeit oder einfach das, was sich aus dem Gespräch ergibt.
- QSO beenden: Du bedankst dich, wünschst 73 und verabschiedest dich sauber.
Die Gegenstation heißt aktuell Susi und verwendet im Training das Rufzeichen DL0QSO. Susi ist keine echte Person am anderen Ende, sondern eine KI-generierte Funkpartnerin. Die Gesprächs-KI läuft auf meiner eigenen Serverinfrastruktur.
Ein bisschen Funkgefühl gehört dazu
Inzwischen ist aus dem ersten Test deutlich mehr als ein Chatfenster geworden. Der Trainer hat ein eigenes virtuelles Funkgerät mit Frequenzanzeige, Betriebsart, RX/TX-Status und PTT. Sobald du „QSO starten“ klickst, hörst du nicht einfach eine saubere Computerstimme: Der Browser legt über Susis Stimme den typischen schmalen SSB-Klang, Empfängerrauschen und je nach simuliertem Signal etwas Fading. Drückst du die PTT, ist der Empfänger ruhig. Lässt du los, bist du wieder auf Empfang.
Das ist noch keine vollständige Funkgeräte-Simulation – und das soll der Einsteiger-Modus auch gar nicht sein. Die Geräusche sollen zunächst Atmosphäre schaffen und ein Gefühl dafür geben, dass man nicht mit einem normalen Sprachassistenten redet, sondern ein Funkgespräch trainiert. Schwieriger können wir es später immer noch machen.
Für wen ist der QSO Trainer gedacht?
Ein Trainer im Browser ersetzt natürlich keinen echten Funkbetrieb und auch keinen guten Ausbildungsabend im Ortsverband. Wer die Möglichkeit hat, gemeinsam mit erfahrenen Funkamateuren live zu üben, sollte diese Möglichkeit unbedingt nutzen. Eine echte Gegenstation, echtes Bandrauschen und die kleinen Überraschungen im Funkbetrieb kann eine Simulation nie vollständig ersetzen.
Aber genau diese Möglichkeit hat eben nicht jeder. Vielleicht gibt es in der Nähe keinen passenden OV. Vielleicht passen die Termine nicht zum Alltag. Vielleicht bist du noch mitten in der Prüfungsvorbereitung und möchtest einfach einmal ausprobieren, wie ein QSO funktioniert. Oder du hast deine Lizenz gerade erst bekommen und möchtest vor dem ersten echten CQ-Ruf ein paar Durchgänge machen, bei denen garantiert niemand zuhört, wenn alles durcheinandergeht.
Für genau diese Situationen soll der Trainer eine zusätzliche, möglichst niedrigschwellige Übungsmöglichkeit sein: Browser öffnen, Mikrofon erlauben und loslegen. Wer gerade kein Mikrofon nutzen möchte, kann den Ablauf sogar zunächst per Texteingabe testen.
Der Einsteiger-Modus ist nur der Anfang
Im Funkgerät sind schon jetzt weitere Trainingsszenarien sichtbar, auch wenn sie noch nicht freigeschaltet sind. Daraus soll nach und nach ein richtiger Trainingspfad entstehen:
- Einsteiger: geführtes normales QSO, Funkgerät bereits richtig eingestellt.
- Fortgeschritten: weniger Hilfestellung und mehr Verantwortung für die Einstellungen.
- Profi: kleine Fallen, schwierigere Bedingungen und weniger Hinweise.
- Contest: kurze, schnelle Contest-Verbindungen und typischer Austausch.
- CQ beantworten: Nicht du rufst CQ – eine andere Station ruft und du musst korrekt reagieren.
Auch die bereits sichtbaren Bedienelemente wie LSB, USB, FM, NOTCH, DNR, Noise Blanker und RF Gain sind bewusst schon im Gerät angelegt. Beim Einsteiger sind die wichtigen Einstellungen noch automatisch richtig. In höheren Stufen sollen daraus kleine praktische Aufgaben werden. Wer beispielsweise auf einem falschen Sideband hört, bekommt vielleicht schlicht keine Antwort – genau wie beim echten Funkgerät. Der Trainer soll dann nicht sofort alles verraten, sondern einen dazu bringen, die eigene Station zu überprüfen.
Später können zusätzlich echtes QRM und QRN, noch unterschiedlichere Empfangsbedingungen, verschiedene Modulationen, ein eigener FM-Betrieb und weitere Situationen dazukommen. Die Idee ist nicht, ein Computerspiel aus dem Amateurfunk zu machen, sondern Schritt für Schritt mehr von den Dingen einzubauen, die einem später tatsächlich auf dem Band begegnen.
Und der Trainer lernt ebenfalls
Auch Susi ist noch lange nicht fertig. Gerade freie Gespräche sind schwierig: Eine Antwort kann technisch korrekt und trotzdem völlig unnatürlich sein. Vielleicht wechselt die Gegenstation plötzlich das Thema, lobt eine „tolle Station“, obwohl gerade über Modulation gesprochen wurde, oder stellt eine Frage, die bei einem Einsteiger ohne Lizenz überhaupt keinen Sinn ergibt.
Deshalb kannst du vor jedem QSO selbst entscheiden, ob das Textprotokoll auf meiner Serverinfrastruktur gespeichert und für Fehleranalyse und Weiterentwicklung ausgewertet werden darf. Bei „Nein“ funktioniert das Training genauso, es wird nur kein dauerhaftes Trainingsprotokoll angelegt. Audioaufnahmen des Mikrofons werden nicht dauerhaft gespeichert und nicht an Microsoft übertragen. Für Susis synthetische Stimme wird dagegen ihr erzeugter Antworttext serverseitig an Microsoft Azure Speech geschickt und dort in Echtzeit in Sprache umgewandelt. Das geschieht unabhängig davon, ob du einem Trainingsprotokoll zustimmst.
Das bedeutet im besten Fall: Während du mit dem Trainer sicherer wirst, helfen echte Übungs-QSOs gleichzeitig dabei, dass auch der Trainer natürlicher wird. Details zur Verarbeitung findest du in der Datenschutzerklärung.
Einfach ausprobieren – und gerne Fehler machen
Der QSO Trainer ist kostenlos und direkt im Browser nutzbar. Du musst keine zusätzliche Software installieren. Gerade für den Einstieg soll er einen geschützten Raum schaffen, in dem Fehler ausdrücklich erlaubt sind.
Wenn der erste CQ-Ruf noch holpert, startest du eben noch einmal. Wenn du dein Rufzeichen vergisst, bekommst du einen Hinweis. Wenn du mitten im Satz überlegen musst, ist das genauso okay. Und wenn du nach ein paar Durchgängen das echte Mikrofon am Funkgerät in die Hand nimmst und denkst „Okay, den Ablauf kenne ich schon“, dann hat der Trainer genau das erreicht, was ich mir davon wünsche.

